Pflege
Eine Frau im Studio zeigt die Effekte von Coolsculpting
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Eiskalt erwischt: Coolsculpting lässt Fett schmelzen

Fett weg! Minusgrade sollen bei der Coolsculpting-Behandlung hartnäckige Polster sanft, aber dauerhaft reduzieren. Ein straffer Körper ist das Ergebnis der Kryolipolyse.

Body Method mal anders: Statt Schweiß gibt es beim Coolsculpting auch mal Tränen. Aber: Bei dieser Behandlung wird der Körper gestrafft, ohne dass die Chirurgie zum Einsatz kommt. Kryolipolyse ist somit die innovativste noninvasive Methode der Fettreduktion. Trotzdem nicht ganz schmerzlos. „Es raubt Ihnen den Atem, es tut weh!“ Katherine Haber ist gleich zu Anfang ihres Vortrags in Fahrt. Die Amerikanerin wettert hier aber nicht etwa gegen Kältebehandlungen – ganz im Gegenteil: Haber ist Trainingsleiterin des US-Unternehmens Zeltiq, das mit Coolsculpting den Markt der Figurformung durch Minusgrade weltweit anführt.

Willkommen in der „Coolsculpting University“

Katherine Haber hat zur „Coolsculpting University“ nach London geladen. Zwei Tage lang sollen Ärzte und Kosmetikerinnen mit der Methode vertraut gemacht und mit Neuigkeiten versorgt werden. Was auffällt: Die Expertin appelliert immer wieder inständig an die Ärzte, ihre Patienten offen und ehrlich über den Verlauf der Behandlung (Endergebnisse erst nach drei Monaten), die Risiken (Hauterschlaffung vor allem bei Älteren) und Nebenwirkungen (Blutergüsse, Taubheitsgefühle) aufzuklären.

Kryolipolyse ist die innovativste noninvasive Methode der Fettreduktion 

Doch zunächst zum Hintergrund: Seit die beiden Harvard-Wissenschaftler Dieter Manstein und R. Rox Anderson herausfanden, dass unter der Haut liegende (subkutane) Fettzellen stärker von Kälte angegriffen werden als das Gewebe rundherum, gilt die Kryolipolyse (aus dem Altgriechischen von kryos = „Frost, Eis“, lipa = „Fett“ und lysis = „Lösung, Auflösung“) als die innovativste noninvasive Methode, um lokale Fettpolster (bei Normalgewichtigen!) zu reduzieren. 2009 kamen die ersten Geräte auf den Markt. Eine beispiellose Kältewelle setzte ein: Als einziges System mit zertifizierter Zulassung vermeldet Zeltiq im Jahr 2016 vier Millionen Behandlungen. Kosten für Coolsculpting: ab 650 Euro für eine Sitzung. Mehr als 4500 Geräte stehen inzwischen in Praxen und Instituten. 

Coolsculping lässt Fettzellen durch Minusgrade schmelzen

Das Prinzip: Die lokal applizierte Kälte von bis zu minus 11 Grad Celsius unterbricht beim Coolsculpting die Blutzufuhr in den Fettzellen, eine Entzündungsreaktion setzt ein, die Zelle stirbt, und der Körper baut sie selbst innerhalb von drei Wochen ab. Studien belegen das. Entsprechend hoch sind die Erwartungen – allerdings bei manch ernüchterndem Ergebnis. Auch Katherine Haber präsentiert „irreguläre“ Resultate: viereckige, tief eingesunkene, ja eingebrannte Partien an Hüften, Oberschenkeln, Oberarmen. Denn um die Fettdepots gezielt zu erreichen und dazu die Figur zu formen, braucht es spezielle Applikatoren in unterschiedlichen Größen und Formen für die inneren Oberschenkel, die Hüften, den Bauch. Und Geschick beim Einsatz. „Jedes Gerät ist nur so gut und effektiv wie derjenige, der es anwendet“, sagt Dr. Susanne Steinkraus, Dermatologin in Hamburg. „Die Original-Geräte sind zertifiziert. Auch die Anwender werden gewissenhaft geschult. Es gibt aber zunehmend Geräte auf dem Markt, die nach dem gleichen Prinzip arbeiten, doch Kontrollen und Richtlinien für den Anwender nicht ausreichend kommunizieren. Wichtig ist die richtige Indikation zu stellen und die geeignete Lokalisation zu bestimmen.“ 

„Das Vertrauen zwischen Arzt und Patient steht an erster Stelle!“

Dr. med. Susanne Steinkraus
Dr. med. Susanne Steinkraus, Fachärztin für Dermatologie und Venerologie

Risiken und Nebenwirkungen

Genau das wird beim Coolsculpting-Workshop in London deutlich. Schon die Handhabung einer Schablone, die es vereinfachen soll, das zu behandelnde Areal zu kennzeichnen, wird zum Problem. Andere beschäftigen sich bei der Demo des neuen Tools, das die Anwendungsdauer und das Ansaugvolumen reduzieren und den Sitz des Applikators verbessern soll, mit ihrem Handy. Unsere Anmerkung, dass die Mimik der Testperson beim Probelauf sehr „eisig“ zuckt (das Gerät erzeugt erst ein starkes Vakuum, bevor der Frost einsetzt), kommentiert eine Ärztin lässig: „Ach, das tut nicht wirklich weh.“ Susanne Steinkraus kennt das Manko: „Gerade im Bereich der Ästhetik ist es wichtig, über die Möglichkeiten, aber auch Grenzen eines Verfahrens aufzuklären. Auch mögliche Nebenwirkungen wie Schmerzen oder Hämatome dürfen nicht unerwähnt bleiben. Das Vertrauen zwischen Arzt und Patient steht an erster Stelle. Es ist Aufgabe des Arztes, kritisch Patienten auszuwählen, die für dieses Verfahren geeignet sind. Dann funktioniert es und Patient und Behandler sind zufrieden.“ 

Kontakt-Aufnahme: Coolsculpting ist eine Einsteiger-Behandlung

Es ist also noch ein langer Weg hin zu den 29,8 Millionen potenziellen Kunden, die mit Coolsculpting erreicht werden sollen. Und der verläuft über die Zufriedenheit der Anwender – denn nur wenn ein Kunde Erfolge nach dieser Fett-weg-Methode sieht, erzählt er anderen davon und kommt wieder in die Praxis. Coolsculpting soll nämlich noch einen weiteren – nicht unerheblichen – Effekt haben: Es gilt als „Türöffner“-Behandlung für andere ästhetische Eingriffe am Körper und stellt somit oftmals den ersten Kontakt zur Body-Optimierung dar.

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