Pflege
Frau mit Sonnenbrille in tropischer Umgebung
© Elizabeth Fernandez/Getty Images

Mit exotischen Pflanzen der Hautalterung vorbeugen

Wirksame Inhaltsstoffe für den Kampf gegen die Hautalterung finden Beautyforscher in Pflanzen und Früchten aus Zentral- und Südamerika. Doch was können diese Exoten besser als heimische Extrakte?

Morgens einen Smoothie mit Guarana, mittags eine Açai-Bowl statt Müsli – vitaminreiche Superfoods mit Pflanzen und Früchten aus dem Amazonasgebiet stehen bei uns längst für bewussten Lifestyle und gesunde Ernährung. Süd- und auch Mittelamerika liefern die Powerstoffe für unsere Abwehrkräfte sowie Vitamine für Detox und Fitness.

Und jetzt auch zunehmend für junge Hautzellen: Öle und Extrakte von Beeren, Samen und Nüssen aus dem Regenwald und den Hochtälern der Anden finden in immer mehr Anti-Aging-Linien ihren Platz. Waren Açai und Kollegen bisher geschätzter Inhalt meist reiner Naturkosmetik wie Annemarie Börlind oder Hildegard Braukmann (zum Beispiel Açai in „Vitamin Energizer“ und „Duo Mask“ von Annemarie Börlind, Guarana in „Body Care Avocado Körper Balsam“ von Hildegard Braukmann), setzen nun auch High-end-Linien und Hightech-Label auf die Inhaltsstoffe aus Südamerika.

Ob Guarango oder Pracaxi – was ist dran? Sind Jambú und Sacha Inchi Namen, die wir uns merken sollten?

Hildegard Braukmann Body Care Avocado Körper Balsam
Annemarie Börlind Vitamin Energizer - Intensivkonzentrat
Annemarie Börlind Vitamin Duo Mask

Das Anti-Falten-Potenzial exotischer Inhaltsstoffe

Als einer der erfolgreichsten und renommiertesten Dermatologen der Schweiz weiß Dr. Felix Bertram genau, was Haut in unseren Breitengraden braucht. Müssen es unbedingt exotische Wirkstoffe sein? Kann denn unsere Haut damit überhaupt etwas anfangen?

„Es müssen nicht zwingend exotische Wirkstoffe sein“, erklärt Dr. Bertram, „unsere Haut kommt oder käme mit heimischen Stoffen zurecht – aber für mich zählt, was man mit einer Pflege erreichen will.“ In seinem neuesten Serum setzt Bertram zum Beispiel auf den „Caesalpinia Spinosa Fruit Extract“ – ein Wirkstoff, der aus dem Tarabaum gewonnen wird. Dieser Baum, auch Guarango genannt, wächst in den Anden Perus. 

Warum ein so exotischer Wirkstoff? „Der Ansatz meiner Pflege ist, das passende Produkt für ein Hautproblem oder ein Bedürfnis zu bieten. Als Dermatologe weiß ich, dass es große Mengen an Antioxidantien in der oberen Hautschicht gibt. Wenn wir Obst essen, reichern sich die Vitamine in der oberen Hautschicht an, die brauchen wir, um freie Radikale zu killen. In den tieferen Hautschichten haben wir davon aber zu wenig. Erst recht, wenn wir älter werden. Und da müssen wir ein Gleichgewicht schaffen.“

Die Wirkung von Vitaminen und Co. in tieferen Hautschichten

Das Schweizer Labor, mit dem Bertram eng zusammenarbeitet, fand die Lösung im Tarabaum. „Die aus ihm gewonnenen Tannine eigenen sich als hochwirksame und stabile Antioxidantien.“ Tannine sind pflanzliche Gerbstoffe, die in Stauden, Sträuchern und Baumblättern und anderen Pflanzenteilen besonders der Tropen und Subtropen weit verbreitet sind.

Sie gehören zu den Stoffen, mit denen sich verschiedene nährstoffreiche Pflanzen vor Fressfeinden schützen. Also ein potentes Abwehrsystem in der Pflanze selbst, das für unsere Haut genutzt werden kann. „Und zwar ohne die  Empfindlichkeiten, die wir zum Beispiel von Vitamin C kennen, das bei Licht-, Luft-  und Wasserkontakt zerfällt – von dessen Wirkung kommt nichts in den tieferen Schichten der Haut an!“

Im neuen „Vi-Lift your skin“ von Viliv soll der Caesalpinia Spinosa Fruit Extract tief in der Haut die Zellen vor Umwelt- und Lichtschäden (Pollution) schützen

Mit Früchten gegen die Hautalterung

Vor Jahren bereits haben die ausgewiesenen Experten in Sachen Pflanzenkosmetik, die Ethnobotaniker und Phytoforscher bei Sisley, auf die Früchte der Palme Açaizeiro (im Deutschen Kohlpalme) gesetzt, die an den Ufern des Amazonas im brasilianischen Regenwald wächst: die Açai-Beeren. Sie spielen die Hauptrolle in der Nachtpflege „Supremÿa Yeux La Nuit“.

Vor allem ihr hoher Anteil an Antioxidantien, die die Zellen schützen und den Alterungsprozess verlangsamen können, macht sie für Wissenschaftler besonders interessant. Forscher an der Emory University School of Medicine fanden beispielsweise heraus, dass Fruchtfliegen, die sich von Açai-Beeren ernähren, dreimal länger leben als ihre Artgenossen, die ohne das Superfood auskommen mussten.

Sisley-Gründer Hubert d’Ornano war schon Mitte der 1970er Jahre überzeugt, dass die Vielfalt der Pflanzenwelt eine unerschöpfliche Naturapotheke bietet, die Hautzellen zu ungeahnten Leistungen bringen kann.

Dafür gab er aber das Motto aus: „Nur die beste Pflanzenart der jeweiligen Kategorie, die wirkungsvollsten Teile einer Pflanze, bester Herkunft und Region auszuwählen, sowie den perfekten Erntezeitpunkt, der den aktiven Inhaltsstoffen den optimalen Wirkungsgrad beschert, in bester Dosierung und Zusammenstellung für das zu behandelnde Problem“, zitiert José Ginestar, Sisleys Forschungsdirektor, seinen Chef.

Dieses Mal wurden die Experten in Mexico fündig. Sie identifizierten einen Hefeextrakt aus der Blauen Agave – genannt Agave Tequiliana – einer Sukkulentenart, die sonst ausschließlich für die Produktion des hochprozentigen Getränks angebaut wird. Doch dieser Extrakt, so die Sisley-Forscher, fördert die Synthese der hauteigenen Hyaluronsäure und kann das Wasserdepot der Haut neu aufbauen. Perfekt geeignet also für die führende Rolle im neuen „Hydra-Global Serum“.

Nachhaltiger Umgang mit den Pflanzen

Doch der Gewinn zeigt sich nicht ausschließlich auf unserer Haut. Nachhaltigkeit, Schutz und Förderung des lokalen Anbaus sind für die Beautyhersteller selbstverständlich. „Wir benutzen Wirkstoffe, die im Labor biotechnologisch hergestellt werden“, bestätigt Experte Bertram. Keine Pflanze werde dadurch geschädigt oder gar ausgerottet.

„Man benötigt nur einen Minianteil der ursprünglichen Pflanze und aus den Zellen wird quasi das Beste, also das Wirksamste für unsere Haut extrahiert. Die Biotechnologie kann die Zellen unendlich vermehren.“

Ein anderes Beispiel ist die Tonkabohne, die für die Parfumindustrie inzwischen unentbehrlich ist. Diese Bohne wächst in besonderer Qualität im brasilianischen Amazonasgebiet, wo die Tonka-Bäume (Sarrapia genannt) vom Volk der Kayapo gewissenhaft gepflegt werden. 

Das weltweit renommierte Marktforschungsinstitut Mintel aus London beschrieb kürzlich die Werte der Kosmetikwelt, die in Zukunft zum Erfolg führen werden: „Das Konzept der natürlichen Inhaltsstoffe weitet sich aus; Marken unterstützen Mutter Natur durch regionale Produktion oder Entwicklung in der Biotechnologie. Dazu sollten sie selbst Persönlichkeit und eine Bestimmung haben, die mit den Überzeugungen der Konsumenten übereinstimmen.“ Oder: Die Lösung ist natürliches, gesundes Wachstum.

Weitere Anti-Aging-Inhaltsstoffe aus Südamerika

Sacha Inchi

Keine andere Pflanze enthält so viele Omega-3-Fettsäuren wie die Sacha Inchi, auch unter Inca Inchi oder Inka-Nuss bekannt, aus dem Amazonasgebiet Perus. In Kombination mit Vitamin E kann das Öl effektiv Hautreizungen und Entzündungen mildern.

Jambú

Die Parakresse aus Südamerika gilt dort seit Jahrhunderten als Geheimtipp für schöne und faltenfreie Haut. Vor ein paar Jahren entdeckten Wissenschaftler dann: In der Pflanze mit den gelben, kugelförmigen Blüten ist ein Wirkstoff enthalten, der selbst bei geringer Konzentration muskelentspannende Eigenschaften besitzt – das Spilanthol.

Pracaxi

Pentaclethra macroloba (Pracaxi) wächst im gesamten Amazonas-Regenwald. Das Öl der Pracaxi-Samen gilt als eines der hochwertigsten Pflanzenöle der Welt und verfügt über ausgeprägte antibakterielle und antiseptische Eigenschaften. Pracaxi-Öl (oder Pracachy) besitzt den höchsten bekannten Anteil an Behensäure, die in der Lage sein soll, die Haut bis in die Tiefe mit Feuchtigkeit zu versorgen und sie in der Haut zu halten. 

Rote Tonerde

Der rote Ton aus Brasilien enthält über 120 Mineralien in einzigartiger Zusammensetzung. Er soll die Zellen stimulieren, sich gegen Toxine zu wehren und UV-Strahlen abzuwehren. Seine wunderbare Farbe (zwischen roter Erde und Roségold) macht ihn für dekorative Kosmetik interessant.

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