Pflege
Frau vor schwarzem Hintergrund

Lichttherapie: Leuchtende Schönheit

Straffe, junge Haut und volles Haar einfach anknipsen – so weit ist es noch nicht. Doch Photo-Therapien entwickeln sich zur Beautyquelle der Zukunft.

Gerade in der dunklen Jahreszeit leuchten sie in Kosmetikstudios, Spas und dermatologischen Praxen besonders anziehend: Geräte, die aussehen wie eine Mini-Sonnenbank und als neue Wunderlampe gelten. Die Lichtemittierende-Dioden-(LED-)Leuchte steht für einen aufflackernden Trend in der Kosmetik – die Lichttherapie, oder schicker: Photorejuvenation genannt. Die momentan modernste Version arbeitet mit rotem, gelbem und blauem Licht und soll effektiv wie nie Falten glätten, unreine Haut verschwinden und Haare wachsen lassen. Die Idee dahinter ist nicht etwa neu. Kaum etwas gilt als so gut erforscht wie das Licht und seine Wirkung auf unser Wohlbefinden, unsere Gesundheit und Schönheit.

Bereits in den 1960er-Jahren belegte die NASA das Zusammenspiel: Licht erreicht die Hautzellen und kann sie positiv beeinflussen. Und die Farbtherapie, eine der ältesten Behandlungsmethoden der Menschheit? Unter anderen bewies das Max-Planck-Institut: Farben sind nachweislich in der Lage, Veränderungen im physiologischen Ablauf des Körpers auszugleichen. Unsere Zellfarbstoffe (Cytochrome) weisen exakt die Schwingungen der Spektralfarben des Sonnenlichts auf. Unsere Haut und die Steuerungsorgane unseres Gehirns besitzen die Fähigkeit, Farbschwingungen aufzunehmen. Basis für die Entwicklung aller Chromotherapien.

Blau gegen Akne, Rot für straffe Haut

Hightech-LEDs nutzen beide Effekte. Sie senden intensives Farblicht mit ihren unterschiedlichen Eindringtiefen aus. Von Blau im Bereich von 450 Nanometern, das beruhigend und kühlend wirkt – und akneauslösende Propionibakterien eliminiert –, über Gelb bis Rot (650 Nm), das die Durchblutung der Haut steigert und die Produktion von Elastin und Kollagen anregt. Die Forscher Andrei Sommer und Dan Zhu von der Universität Ulm legten gerade einen Selbstversuch vor: Sie lenkten intensives Licht aus dem roten Spektrumsbereich täglich neun Wochen lang auf ihre „Krähenfüße“. Gemeldetes Ergebnis: deutlich verringerte Tiefe und Länge der Linien.

Für erfahrene Dermatologen ist dieses Ergebnis grundsätzlich nicht überraschend. „Licht ist ein Klassiker. In der Diagnostik, um zum Beispiel die Besiedelung mit Keimen auf der Haut sichtbar zu machen, in der Behandlung von Psoriasis und in der ästhetischen Dermatologie. Denken Sie an den Laser, der mit seiner Wellenlänge und hoher Energie gezielt destruktiv arbeitet. Und an Intense Pulse Light (IPL), das ein ganzes Lichtspektrum aussendet und durch Filter auf den Wellenbereich eingeschränkt wird, der für die jeweilige Behandlung benötigt wird. Mehrere Wellenlängen und geringere Energie beseitigen Äderchen und Pigmente und verfeinern sogar die Poren“, weiß die Expertin.

Bewährt hat sich auch die photodynamische Therapie PTD, sie wird seit Jahren erfolgreich zur Hautverjüngung und – so paradox es klingt – zur Beseitigung von Lichtschäden eingesetzt. Sonja Sattler: „PTD regt die Neubildung von Kollagen und die Erneuerung der Haut von innen heraus an – für gesunde und sichtbar jüngere und straffere Haut. Der große Vorteil: Mit einer PDT können auch noch nicht sichtbare Frühformen von Hautkrebs entdeckt und mitbehandelt werden.“ Krankhaft veränderte Zellen werden durch Licht zerstört.

„Wir verwenden seit jeher Licht in verschiedenen Varianten für unterschiedliche Behandlungen“

Dr. Sonja Sattler, Leiterin der Rosenpark-Klinik

LEDs verändern Beauty und Medizin

„Durch die hochmodernen LEDs werden wir in naher Zukunft ganz neue Einsatzgebiete erleben“, ist sich Dr. Sonja Sattler sicher. Auch für den täglichen Gebrauch zu Hause. „Bereits heute gibt es zum Beispiel eine Kappe mit zellstimulierendem Licht, das das Haarwachstum anregen soll. Es sind schon LEDs in superdünnen transparenten Folien möglich, die man auf Glas kleben kann. Warum sollten wir nicht bald eine Maske über Nacht tragen können, die mit Farblicht ausgestattet ist? So etwas kann ich mir gut vorstellen.“

Mit Hochdruck arbeiten Wissenschaftler an leistungsstarken, gezielt einsetzbaren monochromatischen LEDs in der Medizin. Sonja Sattler: „Das Thema ist sehr, sehr spannend, vor allem, wenn Sie an verbesserte und beschleunigte Wundheilung denken oder an schnelle und sanfte Schmerzlinderung, bis hin zu einer möglichen Eindämmung von Keimen.“

Der Schlüssel liegt darin, die richtige Wellenlänge des Lichts bei einem ausreichenden Energielevel zu finden – und das ohne Risiko und ohne Nebenwirkungen – für angrenzendes Gewebe beispielsweise. Genau deshalb funktionieren auch Tageslichtlampen nicht gegen Vitamin-D-Mangel. Ihr Spektrum entspricht bisher noch nicht dem natürlichen des Sonnenlichts, und nur das regt den Körper an, Vitamin D zu bilden. Entweder sie strahlen zu viel UVA aus, oder der Anteil von sichtbarem Licht ist höher.

„In Zukunft werden viele spannende Anwendungen mit zellstimulierendem LED-Licht möglich sein!“

Dr. Sonja Sattler, Leiterin der Rosenpark-Klinik

Die richtige Dosis und etwas Geduld

Mit anderen Worten: Die richtige Dosis macht’s. Und: „Auch Geräte sind nur so gut wie die Behandler!“, weiß Dr. Sonja Sattler. Für die neue LED-Therapie werden erfahrene Experten deshalb mindestens sechs Sitzungen à rund 15 Minuten (gegen Falten) und mindestens zwölf Behandlungen (gegen Dehnungsstreifen) einplanen. Die Ulmer Forscher hielten ihren Selbstversuch mit regelmäßiger Bestrahlung übrigens insgesamt elf Monate durch. Bis sich die Haut insgesamt deutlich verjüngt hatte.