Wissenschaft trifft Beauty! Interview mit Dr. Sarah Schunter
Wissenschaft statt Hypes: Biochemikerin Dr. Sarah Schunter entlarvt Beauty-Mythen und erklärt, warum Kontinuität wichtiger ist als teure Produkte.
von Marlene Burba
18. Februar 2026
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Sie ist promovierte Biochemikerin und hat es sich zur Aufgabe gemacht, wissenschaftliches Wissen über Hautpflege, Ernährung und Sport verständlich zu vermitteln.
Als Consultant für verschiedene Firmen, Autorin und Gründerin von Eat Train Care – einer Plattform für individuelle Hautpflege-Beratung – entlarvt Beautyexpertin Dr. Sarah Schunter als Skincare Couch Beauty-Mythen und zeigt, wie wissenschaftlich fundierte Entscheidungen zu mehr Gesundheit und Wohlbefinden führen können.
Liebe Sarah, Du kommst aus der Biochemie und hast Dich entschieden, Wissen aus der Grundlagenforschung in die Beauty- und Ernährungswelt zu tragen. Was hat Dich persönlich motiviert, diesen Weg zu gehen?
Während meiner Promotion ist mir bewusst geworden, wie groß die Kluft zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit oft ist – vor allem in Bereichen, die unseren Alltag direkt betreffen.
Gleichzeitig kursieren so viele Mythen und Halbwahrheiten, die Menschen verunsichern oder sogar schaden können. Mein Antrieb: komplexe wissenschaftliche Daten so zu übersetzen, dass sie verständlich und anwendbar werden – ohne sie zu verwässern.
Die drei meisten Beauty-Irrtümer
Welche drei weit verbreiteten Irrtümer rund um Hautpflege würdest Du als erstes richtigstellen?
"Teuer = besser" – Der Preis sagt nichts über die Wirksamkeit aus. Entscheidend ist die Formulierung und die verwendeten Inhaltsstoffe, nicht das Marketing.
"Naturkosmetik ist hautfreundlicher" – Pflanzlich heißt nicht automatisch sanft. Ätherische Öle und natürliche Duftstoffe können die Haut sensibilisieren und irritieren.
"Pickel entstehen durch mangelnde Hygiene" – Akne und Unreinheiten sind ein multifaktorielles Geschehen. Hormone, Talgproduktion und Entzündungen spielen eine Rolle – die passende Pflege macht den Unterschied.
Schönheit und Ernährung
Welche Ernährungsfaktoren haben aus wissenschaftlicher Sicht wirklich einen Einfluss auf die Haut – und welche werden überschätzt?
Ernährung spielt definitiv eine Rolle – aber pauschale Aussagen greifen zu kurz. Eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung schafft die Grundlage für Hautgesundheit, aber entscheidend ist das Gesamtbild: Mikronährstoffstatus, Lebensstil, mögliche Unverträglichkeiten.
Statt blind zu supplementieren, ist ein individueller Blick wichtig. Kritisch sehe ich, wenn einzelne Inhaltsstoffe als "Wundermittel" vermarktet werden. Kein Vitamin kann langfristig schlechte Ernährung, Schlafmangel oder Stress ausgleichen.
Wie sieht Dein persönlicher Ansatz aus, wenn es um das Zusammenspiel von Ernährung, Bewegung und Hautpflege geht?
Ich denke in Systemen, nicht in Einzelmaßnahmen. Für mich bedeutet das: ausgewogene Ernährung, die mich mit Energie versorgt, regelmäßige Bewegung für körperliche und mentale Ausgeglichenheit – plus eine effektive Skincare-Routine, die ich konsequent umsetzen kann. Keine Extremkuren, sondern langfristige Routinen.
Wissenschaft versus Beauty-Hype
Wie unterscheidest Du seriöse wissenschaftliche Erkenntnisse von kurzfristigen Hypes?
Ich halte mich an ein einfaches Prinzip: Nur weil etwas neu ist, heißt das nicht, dass es besser ist. Seriöse Erkenntnisse basieren auf robusten Studien und Reproduzierbarkeit – das braucht Zeit.
Ich frage bei jedem Trend: Woher stammt die Information? Welche Studien gibt es, und wie belastbar sind sie? Wer profitiert davon? Wenn etwas angeblich "alles verändert" und in drei Wochen heilt – dann ist gesunde Skepsis angebracht.
Welche Wirkstoffe haben sich bewährt – und welche würdest Du kritisch sehen?
Es gibt bewährte Wirkstoffe mit klarer Datenlage: Retinol, Vitamin C, Niacinamid, Glycerin oder Azelainsäure. Sie haben gut dokumentierte Effekte von Barrierestärkung über Pigmentausgleich bis hin zu regenerativen Eigenschaften.
Kritischer sehe ich Stoffe, die vor allem wegen Trends gehypt werden – wie NAD+ in Skincare. Klingt nach Hightech, aber NAD+ kann die Hautbarriere gar nicht durchdringen. Der Effekt bleibt ein Marketingversprechen.
Wissenschaftlich handeln in der Beauty-Routine
Wie kann wissenschaftliches Denken im Beauty-Bereich konkret helfen?
Wissenschaftliches Denken bedeutet: Muster erkennen, Dinge kritisch hinterfragen und nicht bei jedem Hype aufspringen. Es schafft Gelassenheit.
In der Hautpflege sind oft nicht die fancy Produkte entscheidend, sondern die Basics: milde Reinigung, gut formulierte Feuchtigkeitspflege, täglicher Sonnenschutz. Und: Kontinuität schlägt Intensität.
Wissenschaftlich zu denken heißt auch, geduldig und langfristig zu handeln, statt nach dem nächsten Gamechanger zu suchen.
Beauty-Tipp von Dr. Sarah Schunter
Welchen persönlichen Beauty- und Lifestyle-Rat gibst Du allen, die mit mehr Wissen und Gelassenheit ins neue Jahr starten möchten?
Mach's dir nicht unnötig kompliziert. Weniger Druck, weniger Perfektion. Dafür: Kontinuität und Routinen. Statt jedem Trend hinterherzulaufen, auf die Basics setzen und diese konsequent umsetzen.
In der Hautpflege: Schütze deine Haut, gib ihr, was sie braucht, und sei geduldig. Beim Körper: Bewegung, die dir guttut, Essen, das dich nährt, und Pausen, wenn du sie brauchst.
Denn Glow kommt nicht nur aus dem Tiegel – sondern aus einem System, das im Gleichgewicht ist. Das entsteht durch viele kleine, gute Entscheidungen, Tag für Tag.
In der Hautpflege sind oft nicht die fancy Produkte entscheidend, sondern die Basics.
Dr. Sarah Schunter