Mindful Beauty: Forever young – muss das sein?
Longevity, ewige Jugend und der Druck der Selbstoptimierung: Warum ein langes Leben nur dann schön ist, wenn Du es füllst – und Dich von alten Selbstbildern löst.
von Marlene Burba
25. Januar 2026
Unsplash / Ohlamour
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Mindful Beauty
Willkommen bei Mindful Beauty, unserer neuen YBPN Kolumne rund um bewusste Schönheit, Selfcare und Achtsamkeit – und andere inspirierende Gedanken aus unserer YBPN Redaktion!
Du kannst heute alles sein – nur bitte nicht alt. Zumindest fühlt es sich so an.
Während Dir Longevity-Trends, Supplements und Biohacking-Routinen täglich versprechen, wie Du länger, fitter und jünger bleibst, schwingt immer dieselbe Botschaft mit: Lebe lang. Aber bitte faltenfrei, leistungsfähig und möglichst nah an Deinem früheren Ich.
Älterwerden ist erlaubt. Sichtbar altern eher nicht.
Dabei ist der Wunsch nach ewiger Jugend so alt wie die Menschheit selbst. Früher suchte man den Jungbrunnen, heute misst man Schlafphasen und Zellalter. Longevity klingt moderner, smarter, wissenschaftlicher – der Druck dahinter ist derselbe geblieben: die Angst vor Vergänglichkeit und Kontrollverlust.
Das frühere Selbstbild ist keine Instanz
Das eigentliche Problem ist nicht das Alter. Es ist der Blick zurück. Der ständige Vergleich mit einer Version von Dir, die es so nicht mehr gibt – und auch nie wieder geben wird. Ein Körper, ein Gesicht, ein Lebensgefühl aus einer anderen Zeit.
Sich am früheren Selbstbild festzuklammern macht das Leben zum Gefängnis. Ein sehr gut gepflegtes, optimiertes Gefängnis – aber eben trotzdem eines.
Denn während Du versuchst, Spuren zu verwischen, verpasst Du oft das Jetzt. Forever Young ist kein Zustand, sondern eine Erwartung.
Longevity ohne Leben bleibt leer
Natürlich ist es großartig, lange gesund und schön zu sein. Wer würde das nicht wollen? Aber ein langes Leben ist nur dann wirklich wertvoll, wenn Du es auch füllen kannst.
Genau hier fehlt vielen Selbstoptimierern etwas Entscheidendes: Sorglosigkeit. Spaß. Leidenschaft. Das ungeplante Glas Wein. Die Mahlzeit ohne schlechtes Gewissen. Zeit, die nicht effizient genutzt wird, sondern einfach passiert.
Auch Dinge wie Nähe, Verantwortung füreinander, Gottvertrauen oder echte Beziehungen tauchen in vielen Optimierungsprogrammen kaum auf. Zeit mit Kindern, Enkelkindern oder engen Freunden lässt sich schlecht tracken. Liebe ist nicht messbar. Glück nicht skalierbar.
Und dann ist da noch diese Wahrheit, die kein Algorithmus aushebelt: Vieles ist vorgegeben. Gene. Schicksal. Gnade.
Erfüllung schlägt Perfektion
Ich glaube, dass ein Mensch, der abends einschläft mit einem Gefühl von Verbundenheit, am Ende glücklicher – und womöglich sogar gesünder – ist als jemand, der seinen Schlaf nur noch über Geräte erlebt – um diesen zu optimieren.
Das bedeutet nicht, dass Innovation in Biologie, Gesundheit und Schönheit falsch ist. Im Gegenteil. Sie kann bereichern, erleichtern, verlängern. Aber das Leben sollte zuerst gelebt und erfüllt sein, bevor man versucht, es für immer zu verlängern.
Der wahre Luxus des Älterwerdens
Vielleicht liegt die wahre Kunst nicht darin, dem Alter ein Schnippchen zu schlagen, sondern dem Leben Raum zu geben. Für Pflege und Genuss. Für Disziplin und Loslassen. Für Schönheit – aber nicht als Pflicht.
Was wäre, wenn Attraktivität im Alter weniger mit Spannkraft zu tun hätte und mehr mit Haltung? Mit Gelassenheit. Mit Humor. Mit der Freiheit, nicht ständig an sich herumzukorrigieren.
Ein langes Leben ist ein Geschenk. Aber erst ein erfülltes macht es wirklich schön.