Zukunft im Flakon: KI generierte Düfte
Künstliche Intelligenz eröffnet Parfumeur:innen ganz neue Möglichkeiten. Wir erzählen euch, was hinter KI generierten Düfte genau steckt.
von Marlene Burba
19. Januar 2026
Unsplash / Karolina Grabowska
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Düfte waren schon immer ein Spiel der Sinne – nun wird dieses Spiel neu geschrieben. Dank künstlicher Intelligenz beginnt für die Parfümerie eine Ära, in der Kreativität und Hightech verschmelzen.
KI-generierte Akkorde erweitern die Grenzen unserer Wahrnehmung, erschließen bislang unbekannte Duftwelten und ermöglichen Kompositionen, die in klassischen Laborprozessen kaum denkbar wären.
Ein Beispiel für diese neue Poetik des Parfums ist Prada Paradoxe Virtual Flower – ein Duft, der eine imaginierte Jasminblüte zum Leben erweckt und zeigt, wie futuristisch Parfüm heute sein kann.
Wo KI-Technologie die Parfum-Kreation beflügelt
Was sich futuristisch liest, ist längst Realität. Führende Hersteller von Aromen und Duftstoffen wie Givaudan, IFF und Symrise arbeiten mit KI-Assistenzsystemen, die Parfümeur*innen beim kreativen Prozess unterstützen.
Der Vorteil: KI denkt quer, sie analysiert chemische Eigenschaften, schlägt Alternativen vor und öffnet Türen zu bisher unerforschten Akkorden.
Wie stark diese Tools das Handwerk verändern, erklärt Johan Chaille de Nere, Fragrance & Beauty Director of Digital Transformation bei Givaudan. Sein Zitat, das er der Elle gab, bringt es auf den Punkt:
KI-Assistenzsysteme eröffnen völlig neue Möglichkeiten, die es den Duft-Expert*innen ermöglichen, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren – die Kreation neuer, einzigartiger Düfte.
Johan Chaille de Nere
Fragrance & Beauty Director of Digital Transformation bei Givaudan
KI-generierte Düfte: So funktioniert's
Du darfst Dir das so vorstellen: Statt in endlosen Wiederholungen Molekülvarianten zu testen, liefert KI Vorschläge, die kreativ und chemisch stimmig sind.
Sie zeigt Alternativen auf, von nachhaltigen Rohstoffen bis zu synthetisch erzeugten Noten, die an nichts erinnern, was die Natur bisher hervorgebracht hat.
Myrissi: Wenn Düfte in Farben sprechen
Eines der faszinierendsten Tools dieser neuen Ära hört auf den Namen Myrissi – entwickelt von Givaudan. Die KI übersetzt Düfte in Farben, Bilder und Texte und macht damit sichtbar, was wir riechen. Grundlage dafür sind mehr als 25.000 Verbrauchertests, deren emotionale Reaktionen in einer riesigen Datenbank erfasst wurden.
Myrissi kann:
- aus der chemischen Zusammensetzung eines Dufts einen Farbcode errechnen,
- einer Farbe einen olfaktorischen Eindruck zuordnen,
- Moodboards erzeugen, die emotional zum Duft passen,
- die komplette Duftwahrnehmung vom Packaging bis zum Storytelling abbilden.
Für Marken bedeutet das: Ein Duft kann schon vor seiner Kreation visuell erfahrbar werden – und Konsument*innen begegnen ihm in einer Welt, die exakt ihre Emotionen trifft.
Individuelle Dutberatung per Künstlicher Intelligenz
Auch um den für sich perfekten Duft zu finden, kann KI genutzt werden: Erst vor Kurzem hat Jo Malone London den Scent Adviser vorgestellt – ein digitales, KI-gestütztes Beratungstool, das die ikonische Signature-Duftberatung aus der Boutique erstmals online erlebbar macht.
Die Technologie dahinter mischt Googles Gemini-Modell, die Vertex-AI-Plattform und proprietäre Geruchsdaten der Marke.
Du gibst an, nach welcher Stimmung, Erinnerung oder welchem Eindruck Du suchst – und das System interpretiert diese Hinweise, um maßgeschneiderte Duftempfehlungen zu generieren.
Es ist, als würdest Du mit einem digitalen Parfümeur sprechen, der Deine Duftsprache versteht und übersetzt.
Was KI für die Zukunft der Parfümerie bedeutet
Die Branche arbeitet längst daran, diese verbraucherorientierten Tools zu erweitern.
Für Dich heißt das: Düfte werden persönlicher, experimenteller und mutiger.
Vielleicht riecht ein Parfum bald nach einer Farbe, einer Stimmung oder einem Moment. Vielleicht entdeckst Du eine Note, die nicht in der Natur existiert – aber in Deinen Erinnerungen etwas auslöst.
Und dabei ist ganz wichtig zu erwähnen: KI ist kein Ersatz, für erfahrene Parfumeur:innen – sondern ein kreativer Verbündeter.
Wie riecht sie nun also, die Zukunft im Flakon? Sie riecht nach Fantasie, Technologie und einer neuen Freiheit der Kreation.